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Ö1 22. 9. 2015 - 19.05 Dimensionen: Zwischen Lehrstuhl und Couch

Sie teilen eine ereignisreiche Geschichte, die älteste Universität im deutschen Sprachraum und das vergleichsweise junge Praxisfeld Psychotherapie. Ein Stipendium der Universität Wien ermöglichte dem Universitätslektor in Neuropathologie, Sigmund Freud, einen Studienaufenthalt beim Pariser Neurologen und Hysterieforscher Jean-Martin Charcot, der letztlich in die Entwicklung der Psychoanalyse mündete. Freud hielt an der Universität Vorlesungen über seine Entdeckungen und Theorien, ein Lehrstuhl blieb ihm jedoch lange verwehrt. Am Institut für Psychologie der Universität Wien wurde die Psychoanalyse vehement abgelehnt, zeitweise war sogar Institutsmitarbeitern analytische Betätigung untersagt. In den Nachkriegsjahrzehnten entstand in anderen Fächern Interesse an psychodynamischen Erklärungen gesellschaftlicher Fragen, nicht zuletzt der Entstehungsbedingungen von Diktatur und Totalitarismus. In verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen wird mit psychoanalytischen Ansätzen gearbeitet. In der Pädagogik bzw. späteren Erziehungs- und Bildungswissenschaft wurde Psychoanalyse institutionell verankert; 1971 wurde an der Medizinischen Fakultät die Universitätsklinik für Tiefenpsychologie und Psychotherapie gegründet. Die Beziehung zwischen universitärer Forschung und Lehre und den Theorien und Erfahrungen der Psychotherapie bleibt spannungsreich: Manche Therapeut/innen und Analytiker/innen plädieren für Unabhängigkeit von der Universität, andere sehen große Chancen in der Zusammenarbeit, etwa bei Studien zur Wirksamkeit therapeutischer Arbeit. Die Verbindungen werden zahlreicher. 115 Jahre nach dem Erscheinen von Sigmund Freuds Traumdeutung bietet seine Alma Mater beispielsweise eine Ausbildung in Psychotherapie in Form von Universitätslehrgängen an.

21. September 2015 | Erziehungsberechtigte/Institutionen